Individualsoftware & Servicemanagement
Was ist SaaS? Bedeutung, Beispiele und was eine eigene SaaS-Lösung erfordert
Software as a Service einfach erklärt: wie das Modell funktioniert, worin es sich von PaaS und IaaS unterscheidet, wann Mieten besser ist als Kaufen und was eine eigene SaaS-Lösung verlangt.
Von AYM FlowVeröffentlicht: Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit
Was ist SaaS? SaaS steht für Software as a Service: Software, die Sie über den Browser oder eine App nutzen, während der Anbieter sie auf eigenen Servern betreibt, aktuell hält und den Zugang meist im Abonnement berechnet. Sie installieren nichts, spielen keine Patches ein und kümmern sich nicht um Backups. Wer E-Mails im Browser liest, Dateien in einem Cloud-Speicher ablegt oder über eine Shop-Plattform verkauft, nutzt SaaS bereits täglich. Dieser Beitrag erklärt das Modell verständlich, grenzt es von den anderen Cloud-Modellen ab, zeigt Beispiele und nennt die Fragen, die ein Unternehmen vor dem Mieten von Software oder vor der Entwicklung einer eigenen SaaS-Lösung klären sollte.
Was ist SaaS? Die Bedeutung in einem Satz
Die meistzitierte Definition stammt vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology. Laut der NIST-Definition des Cloud Computing (SP 800-145) ist SaaS die Möglichkeit, Anwendungen des Anbieters zu nutzen, die auf einer Cloud-Infrastruktur laufen. Der Kunde verwaltet weder Netzwerk noch Server, Betriebssystem oder Speicher und passt höchstens einige nutzerspezifische Einstellungen an.
Praktisch bedeutet das dreierlei. Erstens läuft die Software an einem Ort, betrieben vom Anbieter, und alle Kunden greifen über das Internet darauf zu. Zweitens ist der Anbieter für Verfügbarkeit, Sicherheitsupdates, Datensicherung und neue Versionen zuständig. Drittens bezahlen Sie für das Nutzungsrecht über einen Zeitraum, statt eine Kopie zu kaufen. Ob pro Nutzer, Standort oder Transaktion abgerechnet wird, ist eine geschäftliche Entscheidung auf Basis dieses Modells.
SaaS, PaaS und IaaS: wer verwaltet was?
SaaS ist eines von drei Servicemodellen im selben NIST-Dokument. Der Unterschied liegt darin, wie viel der technischen Ebenen der Anbieter für Sie übernimmt:
- IaaS (Infrastructure as a Service): Sie mieten virtuelle Server, Speicher und Netzwerke. Betriebssystem und alles darüber pflegen Sie selbst. Typische Nutzer sind Entwicklungs- und Betriebsteams.
- PaaS (Platform as a Service): Sie bringen eigenen Code auf eine verwaltete Plattform. Server, Laufzeitumgebung und Datenbanken betreibt der Anbieter, für die Anwendung sind Sie verantwortlich.
- SaaS (Software as a Service): Sie nutzen eine fertige Anwendung. Der Anbieter verantwortet alles, von der Hardware bis zur Funktion, die Sie anklicken.
Ein einfaches Bild: Bei IaaS mieten Sie eine Küche, bei PaaS eine Küche samt Koch, der Ihr Rezept umsetzt, und bei SaaS bestellen Sie das fertige Gericht. Viele SaaS-Anbieter betreiben ihr Produkt selbst auf IaaS oder PaaS, deshalb tauchen die drei Begriffe so oft gemeinsam auf.
So funktioniert SaaS hinter dem Login
Von außen wirkt ein SaaS-Produkt wie eine Website mit Login. Dahinter prägen einige Architekturentscheidungen alles Weitere.
Eine Anwendung, viele Kunden
Die meisten SaaS-Produkte sind mandantenfähig (multi-tenant): Eine laufende Anwendung bedient viele Kunden, deren Daten nicht durch eigene Server, sondern durch die Software voneinander getrennt werden. Das macht das Modell wirtschaftlich und ist zugleich das größte technische Risiko, denn eine einzige fehlende Prüfung kann Daten eines Kunden für einen anderen sichtbar machen. Für große oder regulierte Kunden gibt es auch Single-Tenant-Betrieb mit einer eigenen, isolierten Instanz.
Abonnements, Tarife und Limits
Die Abrechnung ist Teil des Produkts. Tarife legen fest, welche Funktionen, wie viele Nutzer oder wie viel Nutzung ein Kunde erhält, und die Anwendung muss diese Grenzen durchsetzen, Upgrades und Downgrades abbilden, Rechnungen erstellen und auf fehlgeschlagene Zahlungen reagieren.
Laufende Updates
Weil nur eine Version produktiv läuft, erhalten alle Kunden Verbesserungen und Sicherheitskorrekturen gleichzeitig. Die Kehrseite: Wer eine Änderung nicht mag, kann nicht auf der alten Version bleiben. Gute Anbieter kündigen Änderungen deshalb früh an und vermeiden Brüche in bestehenden Abläufen.
SaaS-Beispiele und wann eine Lizenz besser passt
Bekannte Beispiele sind Office- und E-Mail-Pakete wie Google Workspace und Microsoft 365, CRM-Systeme wie Salesforce, Shop-Plattformen wie Shopify und Team-Chats wie Slack. Daneben arbeiten unzählige spezialisierte Lösungen für einzelne Branchen nach demselben Prinzip.
Unsere eigenen Produkte zeigen beide Modelle nebeneinander: Multi Score Screen, unsere Live-Spielstand-Software für Sportanlagen, wird als Monatsabo nach Anzahl der Plätze verkauft; wer lieber einmal zahlt, wählt eine unbefristete Lizenz pro Platz.
Unser eigenes Produkt Multi Score Screen gehört zur zweiten Gruppe: eine Cloud-Plattform für Sportanlagen, die Courts, Spiele und Live-Ergebnisse verwaltet und sie auf Fernsehern, Smartphones und Schiedsrichter-Tablets anzeigt. Es zeigt auch, dass das Abo nicht die einzige Option ist. Wie auf unserer Preisseite aufgeführt, können Anlagen Monatstarife oder eine einmalige Lizenz pro Court wählen. Manche Kunden wollen planbare Monatskosten mit inklusiven Updates, andere zahlen lieber einmal und nutzen die Software unbefristet. Beides anzubieten ist eine bewusste Produktentscheidung.
Vorteile und Risiken für Unternehmen
SaaS ist aus gutem Grund verbreitet. Software zu mieten heißt aber auch, einem Anbieter einen Teil des eigenen Betriebs anzuvertrauen. Wägen Sie ab:
- Schneller Start: Registrieren und am selben Tag loslegen, ohne Server oder Installation.
- Planbare laufende Kosten: Hosting, Wartung und Updates sind im Abo enthalten.
- Zugriff von überall: Browser und Internetverbindung genügen, ideal für verteilte Teams.
- Abhängigkeit vom Anbieter: Preise, Funktionen und Bedingungen können sich ändern, ein Produkt kann eingestellt werden.
- Datenschutz und Datenstandort: Prüfen Sie, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO vorliegt und ob das zu Ihren Pflichten passt.
- Exit-Strategie: Klären Sie vor Vertragsabschluss, ob Sie Ihre Daten in einem brauchbaren Format exportieren können.
- Passgenauigkeit: Ein Produkt für Tausende Kunden bildet ungewöhnliche Prozesse selten exakt ab. Unser Vergleich Individualsoftware vs. Standardsoftware behandelt diese Entscheidung ausführlich.
SaaS auswählen: Fragen, die Sie vorab klären sollten
Bevor Sie ein Werkzeug einführen, von dem Ihr Betrieb abhängt, lassen Sie sich vom Anbieter oder aus dessen Dokumentation folgende Fragen klar beantworten:
- Wo werden unsere Daten gespeichert und verarbeitet, und wer beim Anbieter hat Zugriff?
- Können wir alle Daten samt Dateien und Verlauf jederzeit in einem Standardformat exportieren?
- Was passiert nach einer Kündigung mit unseren Daten, und wie lange werden sie aufbewahrt?
- Wie werden Störungen kommuniziert, gibt es eine Statusseite oder eine schriftliche Service-Level-Vereinbarung?
- Welche Schnittstellen und Integrationen gibt es für die Systeme, die wir bereits nutzen?
- Wie werden Preise geändert, und mit welcher Vorlaufzeit?
Kann ein Anbieter diese Fragen nicht schriftlich beantworten, ist auch das eine Information. Fordern Sie außerdem den Auftragsverarbeitungsvertrag an, bevor personenbezogene Daten fließen, und lassen Sie sich bestätigen, in welchen Ländern Unterauftragnehmer die Daten verarbeiten. Dieselbe Liste hilft umgekehrt, wenn Sie selbst eine SaaS-Lösung bauen: Genau diese Fragen werden Ihre eigenen Kunden stellen.
Eine eigene SaaS-Lösung entwickeln: was den Aufwand bestimmt
Wer Software als Service verkaufen statt mieten will, stellt schnell fest, dass die sichtbaren Funktionen oft der kleinere Teil sind. Listen Sie vor jeder Schätzung die Grundlagen auf, die jede SaaS-Lösung braucht:
- Mandantentrennung: ein klares Modell, wie Kundendaten getrennt werden, durchgesetzt bei jeder Abfrage und jedem Datei-Download.
- Konten und Rechte: Registrierung, Login, Passwort-Reset, Rollen, Berechtigungen und Einladungen für Teammitglieder.
- Abrechnung: Tarife, Testphasen, Upgrades, fehlgeschlagene Zahlungen, Rechnungen und Steuern für Ihre Zielländer.
- Sicherheit: Schutz vor den in den OWASP Top 10 zusammengefassten Web-Risiken, dazu Backups, Protokollierung und ein getesteter Wiederherstellungsprozess.
- Betrieb: Monitoring, Fehlerverfolgung, Verfügbarkeitsalarme und Updates ohne Ausfallzeit.
- Support- und Admin-Werkzeuge: ein internes Panel, um Kunden zu finden, Daten zu korrigieren und Fragen zu beantworten, ohne die Datenbank von Hand anzufassen.
Die Kosten hängen davon ab, welche dieser Punkte am ersten Tag nötig sind und wie komplex die Kernfunktion ist. Jeder Preis ohne schriftlichen Umfang ist eine Vermutung. Bewährt hat sich ein Minimum Viable Product: ein klar umrissenes Problem, eine kleine Gruppe echter Kunden und nur die genannten Grundlagen, danach Ausbau nach tatsächlicher Nutzung. So gehen wir in Projekten der individuellen Softwareentwicklung vor, beginnend mit einer kurzen Analysephase, die vor der ersten Codezeile einen schriftlichen Umfang liefert.
Zwei Entscheidungen verdienen früh besondere Sorgfalt: das Datenmodell der Mandanten, weil eine spätere Änderung die Migration aller Kunden bedeutet, und die Art, wie das Produkt ausgeliefert und aktualisiert wird. Eine SaaS-Lösung ist nie fertig; sie wird weiterentwickelt, solange sie Kunden hat.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet SaaS?
SaaS bedeutet Software as a Service: Software, die auf der Infrastruktur des Anbieters läuft und von Kunden über das Internet genutzt wird, meist gegen eine Abo-Gebühr.
Ist SaaS dasselbe wie Cloud Computing?
Nein. Cloud Computing ist der Oberbegriff, SaaS eines der drei Servicemodelle neben PaaS und IaaS. Bei SaaS nutzen Sie eine fertige Anwendung und verwalten keinerlei Infrastruktur.
Wird SaaS immer monatlich bezahlt?
Meist monatlich oder jährlich, aber das ist eine Geschäftsentscheidung. Manche Produkte bieten zusätzlich Einmallizenzen an, so wie Multi Score Screen neben seinen Monatstarifen.
Was muss ich bei SaaS und DSGVO beachten?
Klären Sie, wo die Daten verarbeitet werden, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt und wie Löschung und Export geregelt sind. Für die rechtliche Bewertung ziehen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten hinzu.
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